Gegen Toleranz heißt für political correctness

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von Stefan Blankertz

Der zentrale Gedanke, mit dem Hans-Hermann Hoppe den Paradigmenwechsel in der libertären Haltung von für Toleranz zu gegen Toleranz 2001 einleitete, lautet:

»There can be no tolerance toward democrats and communists in a libertarian social order. They will have to be physically separated and expelled from society. Likewise, in a covenant founded for the purpose of protecting family and kin, there can be no tolerance toward those habitually promoting lifestyles incompatible with this goal. They – the advocates of alternative, non-family and kin-centered lifestyles such as, for instance, individual hedonism, parasitism, nature-environment worship, homosexuality, or communism – will have to be physically removed from society, too, if one is to maintain a libertarian order. […] Libertarians must distinguish themselves from others by practicing (as well as advocating) the most extreme form of intolerance and discrimination against egalitarians, democrats, socialists, communists, multiculturalists, environmentalists, ill manners, misconduct, incompetence, rudeness, vulgarity, and obscenity« (Hans-Hermann Hoppe, Democracy, 2001, p. 218f). In dem Essay »My Battle With The Thought Police« (www.mises.org/library/my-battle-thought-police) schreibt er zu genau dieser Stelle (die ihm viel Kritik eingebracht hat): »In its proper context these statements are hardly more offensive than saying that the Catholic Church should excommunicate those violating its fundamental precepts or that a nudist colony should expel those insisting on wearing bathing suits.« Nun kann ich dies als Richtig- und Klarstellung akzeptieren, als eine vorsichtige Rücknahme, wenigstens Abschwächung. Doch bleiben zwei Dinge bemerkenswert:

1) »there can be no tolerance«, »they will have to be physically removed«, »libertarians must« hört sich nicht nach »gilt dann in ›gated communities‹, wenn sie spezielle Personen ausschließen wollen«, sondern heißt: Die Genannten müssen ausgeschlossen werden. Konsequenterweise spricht er davon, dass der Ausschluß notwendig sei, um die libertäre Ordnung (als Ganzes, nicht eine einzelne »gated community«) aufrechtzuerhalten. Darum ist der Vergleich mit der Katholischen Kirche falsch. Darüber hinaus gilt für die Kirche (ebenso wie für jede andere freiwillige Organisation), dass sie gewisse Personen ausschließen kann (im Sinne von: darf), aber nicht muss. Mich hat die Katholische Kirche aufgenommen, obwohl ich zu dem Zeitpunkt geschieden war. Das ist eben ihr Recht. (Das Ideal der »gated communities« halte ich, by the way, für ein vorkapitalistisches Konstrukt.)

2) In dem Essay, aus dem die klarstellende Antwort stammt, ist mit der Beschwerde über die »Gedankenpolizei« überschrieben. Die universitären Personen, die Hoppe nennt, sowohl Studenten als auch Funktionsträger der Hochschule, üben, indem sie ihn aus moralischen Gründen mundtot machen wollen, genau das Recht auf Diskriminierung geltend, das auch er vertritt. Insofern sind sich beide Seiten der Kontroverse über die Prinzipien einig: Der moralisch Abweichende muss ausgeschlossen werden. Uneinig sind sie sich nur über die Definition des Moralischen. Der Tugendterror, den beide ausüben, gleicht sich.